24. Werteforum "Wert und Werte – Wie viel Regulierung braucht Europas Wirtschaft?"

24. Werteforum "Wert und Werte – Wie viel Regulierung braucht Europas Wirtschaft?"

Werte brauchen Normen, aber am Anfang und am Ende zählt der Mensch. Der, der Werte vermittelt ebenso wie derjenige, der für die Vermittlung offen ist und Wertevorstellungen aufnimmt. So lässt sich die lebendige und inhaltsreiche Diskussion des 24. Werteforums am ehesten zusammenfassen. Im Sitz von Dr. Hans-Dieter Heumann, dem Ständigen Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat in Strassburg, sprachen Sven Korndörffer, Vorstandsvorsitzender der Wertekommission e. V., Alexander Graf Lambsdorff, 1. Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Europaparlament , Fabrice Larat, Directeur du centre dèxpertise et de recherche administrative de 1’ENA sowie Frank Marrenbach, Geschäftsführender Direktor Brenner’s Park Hotel GmbH unter der Diskussionsleitung von Philipp Otto, Chefredakteur der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, vor rund 40 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft über Wettbewerb und Erfolg, Binnenmarkt und Protektionismus, Ausbildung, Familie und Kirche.

 

Dabei bestand weitgehend Einigkeit, dass das Bedürfnis nach Werten und nachhaltiger Unternehmensführung gerade auch in Zeiten der Krise spürbar zugenommen hat, doch lassen sich solche Moralvorstellungen nicht einfach von oben verordnen. „Wir brauchen kein Mehr an Regulierung, sondern bessere Regulierung. Besser in dem Sinne, dass die richtigen Anreize gesetzt werden“, so Sven Korndörffer. Fabrice Larat sieht neben den Familien in erster Linie die ausbildenden Stellen in der Pflicht, ebenjene Grundeinstellung schon möglichst früh zu vermitteln. Er plädiert allerdings auch für klare Strafen, für Verletzungen der Moralvorstellungen: „Ein Problem ist doch, dass Zuwiderhandlungen nicht bestraft werden. Wir brauchen klare Verantwortung und auch Haftung bei Übertretungen.“ Allerdings ist immer der schmale Grat zwischen Erfolgsdruck und Leben von und nach Werten zu berücksichtigen. Denn Untenehmen müssen am Markt erfolgreich sein, nur dann sind sie auch von wert für eine Gesellschaft. Frank Marrenbach vergleicht das mit dem Sport: „Ich trete mit meinem Hotel an, wie zu einem Hundert-Meter-Lauf. Ich will gewinnen, will der Beste sein, aber das mit fairen Mitteln und ohne unlautere Substanzen. Und genau das vermittele ich auch meinen Mitarbeitern.“ Alexander Graf Lambsdorff sieht in diesem Zusammenhang zwar gewisse Schwierigkeiten durch protektionistische Maßnahmen einzelner EU-Mitglieder, ist aber dennoch überzeugter Europäer und zuversichtlich: „Wir haben in der Binnenmarktpolitik schon sehr viel erreicht, mit Regeln aber auch mit Verhaltensmustern. Ich denke, ein übergreifender europäischer Wertekodex ist keine Vision, sondern schon ein gutes Stück weit Realität.“

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