Das Buch der Wertekommission
„Ihre Werte, bitte!"
2. Auflage mit aktualisierten und neuen Portraits im Februar 2012
25. Werteforum "Wertschöpfung und Werteorientierung – wie kommt die Finanzindustrie zu einem neuen Selbstverständnis?"
25. Werteforum "Wertschöpfung und Werteorientierung – wie kommt die Finanzindustrie zu einem neuen Selbstverständnis?"
Am 1.7.2010 trafen sich die Wertekommission und ihre Gäste im House of Finance in Frankfurt zum Thema "Wertschöpfung und Werteorientierung – wie kommt die Finanzindustrie zu einem neuen Selbstverständnis?". Die spannende und kontroverse Diskussion wurde geleitet von Jörg Eigendorf, Ressortleiter Wirtschaft, Finanzen und Immobilien der "Welt"-Gruppe.
Einig waren sich zu Beginn der Diskussion Dr. Lutz Raettig, Aufsichtsratsvor-sitzender Morgan Stanley Bank AG, Dr. Theodor Weimer, Vorstandssprecher der HypoVereinsbank, und Emmerich Müller, Partner der B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG: Alle drei vertraten die Auffassung, dass die Krise nicht ausgesessen werden dürfe. Gleichzeitig warnten sie aber auch vor einem übertriebenen Aktionismus. Er würde nicht zu sinnvollen und nachhaltigen Verbesserungen führen.
Von einer schwierigen Lage sprach Dr. Philipp Busch, Kuratoriumsvorsitzender der Wertekommission und Unternehmer: „Die Politik ist überfordert und konzeptionslos und kann nur Einzelmaßnahmen anbieten, die aber schneller umgangen werden, als die Regeln greifen. Es hilft nur die Haftung in den Fällen, wo ansonsten die Allgemeinheit zur Kasse gebeten wird.“ Übereinstimmend erkannten alle Diskussionsteilnehmer die Notwendigkeit einer besseren Regulierung an. Lutz Raettig wies aber darauf hin, dass „eine Strukturerneuerung eine Operation am offenen Herzen ist – das Tagesgeschäft muss gleichzeitig 'nebenher' weitergehen".
Intensiv diskutiert wurde, ob eine persönliche Haftung dazu beitragen könnte, dass sich Banker risikobewusster verhalten und die Konsequenzen ihres Handelns stärker berücksichtigen würden. Dr. Theodor Weimer mahnte an: „Wir sollten eine breite Diskussion darüber führen, wo wir eigentlich hin wollen". Er ergänzte, dass Erfolg in einer reifen Volkswirtschaft nicht allein am Geld gemessen werden könnte. Auch die Werte – wie zum Beispiel Vertrauen, Integrität, Verantwortung und Respekt – auf deren Basis der Erfolg angestrebt werde, gehörten zur Bemessungsgrundlage des Gesamterfolgs. Zur Illustrierung zitierte er Henry Ford: „Ein Geschäft, das nur Geld verdient, ist kein gutes Geschäft". Emmerich Müller erinnerte daran, dass es keinen Grund gibt, die Bankenbranche isoliert zu betrachten: „Die Veränderung muss grundlegend sein. Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt", war seine These.
