27. Werteforum "Brauchen wir eine Charta der Werte?"

27. Forum der Wertekommission e. V. zusammen mit dem Reinhard-Mohn-Institut an der Universität Witten/Herdecke


Zum Thema „Brauchen wir eine Charta der Werte“ war die Wertekommission am 04.04.2011 auf Einladung des Reinhard-Mohn-Instituts in der Universität Witten/Herdecke. Ziel dieser Zusammenkunft zwischen Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer ZEITVERLAG Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Professor Dr. Ute Schmiel, Lehrstuhl für Unternehmensbesteuerung Universität Duisburg-Essen, Professor Dr. Burkhard Schwenker, Chairman der Roland Berger Strategy Consultants Holding GmbH und Lars Zimmermann MPA, Sprecher des Vorstands Stiftung neue Verantwortung unter der Moderation von Dr. Philipp Busch, Kuratoriumsvorsitzender der Wertekommission e. V., war es, eine offene Diskussion zu führen, ob eine Charta der Werte Sinn machen würde und wenn ja, wie eine solche Charta aussehen könnte.


Die größte Kontroverse lieferten sich Professor Dr. Burkhard Schwenker und Professor Dr. Ute Schmiel in der Frage, ob in einem Unternehmen das WIR vor dem ICH stehen sollte. „Ich vermute, dass Eigennutzstreben sehr verbreitet ist und habe Sorge, dass jemand sagt, er denke an „das Unternehmen“, „aber an sich selbst denkt“, stellt Professor Dr. Ute Schmiel fest. Dem stand Professor Dr. Burkhard Schwenker mit seiner Position gegenüber: „Die Komplexität der Herausforderungen eines Managers sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Durch das dynamische Marktumfeld sei ein Gefühl der Sicherheit für die Menschen abhanden gekommen, darum besteht seine Hauptaufgabe mehr denn je darin, als Vorbild diese Sicherheit wieder zu vermitteln, indem er zeigt, dass er zuerst an die Firma und dann erst an sich selbst denkt.“ Vorbilder hielt auch Dr. Rainer Esser für die wichtigsten Garanten werteorientierten Handelns „Es muss im Berufsleben mehr als nur um das Geldverdienen gehen. Persönlichkeiten, die für ihre Werte einstehen, vermitteln ihren Mitarbeitern einen Idealismus, für den sich die Arbeit, die man leistet, lohnt.“ Gemeint seien hierbei keine Autoritäten, sondern echte Vorbilder, die sich selbst immer wieder prüft: „Es bedarf einer Peer Group, die kritisch ist und sich ständig gegenseitig hinterfragt“, reflektiert Lars Zimmermann und untermalt, dass Werte keiner Elite überlassen werden darf.


Ob eine Wertecharta die Probleme löst, oder ob eine solche Charta eher Gefahr liefe, zu einem formellen Akt zu verkommen, hat die Diskussion nicht abschließend klären können. Es gehe vor allem darum, so hat Professor Dr. Burkhard Schwenker es schließlich auf den Punkt gebracht, „Werte nicht ständig explizit zu benennen, sondern überall und zu jeder Zeit implizit zu leben und zu behandeln und Entscheidungen, Haltungen und Positionen werteimmanent zu treffen und zu beziehen.“