28. Werteforum "Leading Change: Werte als Treiber von Veränderungen in Umbruchzeiten?“
28. Werteforum "Leading Change: Werte als Treiber von Veränderungen in Umbruchzeiten?“
Am 13.10.2011 hat das Werteforum in Partnerschaft mit der stiftung neue verantwortung in der Berliner Repräsentanz der Bertelsmann AG in Berlin stattgefunden. Es war ein sehr gut besuchtes Forum und auch das Podium – unter der Moderation von Dr. Philipp Busch – war ein besonders großes und heterogenes: Zum Thema „Leading Change: Werte als Treiber von Veränderungen in Umbruchzeiten“ diskutierten Professor Jörg Rocholl, Kommissarischer Präsident der European School of Management and Technology GmbH, Carsten Tams, Senior Vice President Bertelsmann Ethics & Compliance Executive der Bertelsmann AG, Dr. Petra Bahr, Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche Deutschlands sowie Kirsten Harms, Opernregisseurin und Intendantin der Deutschen Oper Berlin (2004-2011), Heiner Wilkens, Aufsichtsratsvorsitzender der Condor Flugdienst GmbH und Dr. Johannes Graf von Schmettow, Geschäftsführer der Egon Zehnder International GmbH.
„Sind Werte Treiber der Veränderungen oder treiben uns Veränderungen wieder zurück zu den Werten?“ – mit dieser Frage des Moderators waren sich alle schon einig: Werte sind immer eine Konstante, unabhängig von Veränderungen. Sie führen jedoch – laut Petra Bahr – oft weniger zu Umbrüchen als zu Aufbrüchen: die Frage sei, wie mit Fehlern umgegangen werde und wie man aus dem Versagen eine Ressource gewinnen könne. Auch Johannes Graf von Schmettow pflichtete dieser Feststellung bei: „Bei jedem guten Manager gibt es 1-2 Umbrüche im Lebenslauf“ – die entscheidende Frage sei, wie mit denen umgegangen worden sei. Konstant sei allemal, dass alle Unternehmen anständige Menschen in ihren Führungsreihen haben wollten. Die aber zu erkennen, das sei die große Kunst. Jörg Rocholl gab darauf zu bedenken, dass im Versagen auch die Quelle ermittelt werden müsse: „Handelt es sich um persönliches Fehlverhalten oder um systemisches Fehlverhalten? Wenn es das persönliche ist, dann sollte man sich die Werte der Person näher ansehen. Ist es ein systemisches, ist die Frage, in wieweit persönliche Kapazitäten ausreichend sein können, um dies auszugleichen.“ Eine sinnvolle Regulierung für Krisen müsse gefunden werden. „Und das in allen Konsequenzen“, pflichtete Petra Bahr ihm bei, „heißt: auch im globalen Kontext. Nur so ist man als Unternehmen wirklich glaubwürdig“. Carsten Tams führte den Bertelsmann Konzern an, der von den Werten Reinhard Mohns kontinuierlich geprägt bleibt: „Ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft sein heißt, man muss jeden Menschen so behandeln, als wäre er gut – dann wird er auch gut sein.“
Provokativ vertrat Heiner Wilkens folgende These: „Ein Manager, der in einem Unternehmen nur auf Shareholder Value schaut, handelt nicht im Interesse der Shareholder“. Ihnen gehe es nämlich um Nachhaltigkeit – dies auch und vor allem in der von Carsten Tams erläuterten „heiligen Trias“: Mitarbeiter/Manager/Gesellschafter, die es immer umsichtig zu berücksichtigen gelte. Einem Unternehmen müsse es gelingen, diese 3 Hauptsäulen zusammenzubringen und die Gesamtheit in der Gesellschaft zu integrieren. Die Auswirkungen dessen beobachtete Kirsten Harms dann in der kritischen Abbildung der Gesellschaft in den „Orten moralischer Integrität“, nämlich den Theatern und Opernhäusern. „Werte verursachen Sprünge in der moralischen Kultur und des sozialen Bewusstseins in der Geschichte. In der Nachkriegszeit wurden beispielsweise ganz andere Aspekte der Werteorientierung am Schauspiel thematisiert als heute.“ Heute ließen sich Themen beobachten wie Empathie und Einfühlungsvermögen bzw. der Würde mitmenschlichen Umgangs. Diesen Gradmesser konnte Jörg Rocholl nachempfinden, als er feststellte, dass das Interesse seiner Studenten früher viel mehr auf die Karriere ausgerichtet war und dass heute ein zwischenmenschliches Zusammensein viel wichtiger geworden sei: zum Beispiel in der praktizierten Work-Life-Balance. Menschlichkeit ist Heiner Wilkens in seiner Management-Laufbahn auch immer wichtig gewesen: „Ein gutes Verhältnis zwischen Vertragspartnern jeder Art dauerhaft aufrecht zu erhalten, macht Heerscharen von Anwälten überflüssig“.
Lars Zimmermann, Sprecher des Vorstands der stiftung neue verantwortung, betrachtete die Diskussion abschließend und gab zu bedenken, dass wir alle Empathie entwickeln müssen für die unterschiedlichen Wertvorstellungen, die jeder Mensch hat: „Wir müssen uns öffnen und einander wieder zuhören.“
